Kampf gegen Staphylokokken-Infektionen
- Daniel Hammes
- vor 4 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
LIPS‑Studie: Kombinationstherapie mit Linezolid

Hintergrund
Staphylococcus aureus ist ein weit verbreitetes Bakterium: Rund ein Drittel der Weltbevölkerung trägt es auf der Haut oder den Schleimhäuten, meist ohne krank zu werden. Gelingt es dem Erreger jedoch, in den Blutkreislauf einzudringen, kann dies zu schweren Infektionen führen. Diese Staphylococcus aureus Bakteriämien zählen weltweit zu den häufigsten Ursachen infektionsbedingter Todesfälle. In der Schweiz sind jährlich etwa 2000 Menschen betroffen - rund 500 versterben an den Folgen. Auch bei Überlebenden sind langfristige gesundheitliche Einschränkungen häufig.
Ein wesentlicher Faktor für den schweren Verlauf dieser Infektionen ist die Expression sogenannter Virulenzfaktoren. Diese vom Bakterium produzierten Proteine unterstützen dessen Ausbreitung im Körper, erleichtern die Umgehung der Immunabwehr und schädigen das Wirtsgewebe. Pathomechanistische Analysen legen nahe, dass Antibiotika, welche die Expression dieser Virulenzfaktoren hemmen, den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen könnten.
Linezolid ist ein seit über 20 Jahren auf dem Markt bekanntes Antibiotikum, das die spezifische Eigenschaft besitzt, die Expression von Virulenzfaktoren bei Staphylococcus aureus stark zu hemmen.
Forschungsfrage
Die LIPS‑Studie (Linezolid Plus Standardtherapie) untersucht, ob eine 5-tägige zusätzliche Gabe von Linezolid ergänzend zur Standardtherapie das Gesamtergebnis der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Staphylococcus aureus Bakteriämien verbessert.
Studienmethodik
Die LIPS‑Studie ist eine pragmatische, multizentrische, 1:1‑randomisierte, placebo‑kontrollierte, verblindete klinische Studie. Alle Studienteilnehmenden erhalten zusätzlich zur leitliniengerechten Standard-Antibiotikatherapie entweder Linezolid‑ oder Placebo zugeteilt. Durch das randomisierte und verblindete Studiendesign soll eine möglichst verlässliche Bewertung des zusätzlichen Therapieeffekts erreicht werden.
Der Behandlungserfolg wird nicht anhand eines einzelnen Endpunkts beurteilt, sondern mithilfe des patientenzentrierten Bewertungskonzepts DOOR (Desirability of Outcome Ranking). Gemeinsam mit Patientenvertreterinnen und Patientenvertretern wurden Überleben, selbstständiges Leben, Komplikationen sowie die Spitalaufenthaltsdauer als besonders relevante Aspekte ausgewählt. Diese werden in einem hierarchischen kombinierten Endpunkt (Hierarchical Composite Endpoint) ausgewertet, um den Behandlungserfolg insgesamt möglichst umfassend abzubilden.
Bedeutung der Studie
Mehrere internationale Leitlinien empfehlen bei toxinvermittelten Infektionen bereits die Kombination einer Standardantibiotikatherapie mit einem Wirkstoff, der die Expression bakterieller Virulenzfaktoren hemmt. Mangels Evidenz aus randomisierten Studien hat sich dieser Ansatz bislang jedoch nicht als klinische Standardpraxis bei Staphylococcus aureus Bakteriämien etabliert.
Die LIPS‑Studie will diese Evidenzlücke schliessen. Wenn sich zeigt, dass eine zusätzliche Linezolid‑Therapie das patientenrelevante Gesamtergebnis verbessert, könnte dies einen wichtigen Impuls für zukünftige Therapieempfehlungen darstellen und langfristig dazu beitragen, Sterblichkeit und Folgeschäden bei einer der gefährlichsten bakteriellen Infektionen zu reduzieren.
Mitwirkende
Sponsorenteam
Sponsor-Investigator:
PD Dr. Richard Kühl, Infektiologie, USB
Co-Principal-Investigators:
Prof. Nina Khanna
PD Dr. Benjamin Speich
Trial-Managerin:
Natalie Rose, PhD
Studienärztinnen:
Dr. Michaela Schumacher
Dr. Nadine Bernasconi
Lokale Prüfärztinnen und -ärzte der teilnehmenden Zentren
Claraspital Basel: Dr. Elisabeth Wehrle
Kantonsspital Aarau: Dr. Anna Conen
Hôpitaux universitaires de Genève: Prof. Stephan Harbarth
Hôpital du Jura: Dr. Michèle Birrer
Centre hospitalier universitaire vaudois: PD Dr. Papadimitriou Olivgeris Matthaios
Ospedale Regionale di Lugano: PD Dr. Marco Bongiovanni
HOCH Health Ostschweiz, Kantonsspital St. Gallen: Prof. Dr. Werner Albrich
Kantonsspital Winterthur: PD Dr. Urs Karrer
Universitätsspital Zürich: Prof. Barbara Hasse
Stadtspital Zürich: Dr. Adrian Schibli
DKF-Services
Data Management, Data Analysis/Statistik, Projektmanagement, Regulatorik
Über den Studienverantwortlichen
PD Dr. Richard Kühl

Leitender Arzt, Klinik für Infektiologie und Spitalhygiene, USB
Spezialisierung
Allgemeine Innere Medizin
Forschungsgebiet
Staphylokokken Infektionen
Muskuloskelettale Infektionen mit Fokus auf Implantat-assoziierte Infektionen
Klinische Tätigkeit
Seit 2025: Leitender Arzt, Klinik für Infektiologie und Zentrum für muskuloskelettale Infektionen, USB
2022 – 2025: Kaderarzt, Klinik für Infektiologie und Zentrum für muskuloskelettale Infektionen, USB
2020 – 2022: Oberarzt, Klinik für Infektiologie und Spitalhygiene, USB
2017: Oberarzt, Klinik für Infektiologie und Spitalhygiene, USB
2015 – 2017: Assistenzarzt, Klinik für Infektiologie, USB
2013: stv. Oberarzt, Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Universitätsspital Bern
2012: Assistenzarzt, Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Universitätsspital Bern
2009 – 2011: Assistenzarzt Kantonsspital Olten
Wissenschaftliche Tätigkeit
Mitglied DKF-Forschungsgruppe Prof. Nina Khanna
Seit 2020: Postdoctoral Fellow im NCCR Antiresist
2022: Habilitation an der Universität Basel
2019: Postdoctoral Fellow Labor “infection biology”, DBM, USB
2018 – 2019: Research Fellow Hospital Clínic Barcelona, Spanien
2018: Postdoctoral Fellow Labor “infection biology”, DBM, USB
2010: Promotion zum Dr. med., Universität Basel




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