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Zwischen klinischer Forschung, Psychologie und Neurowissenschaft

  • Barbara Peters
  • vor 16 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Seine Forschung ist translational in mehrere Richtungen, sagt Lucca Jaeckel. Sie übersetzt Grundlagenforschung in den Menschen und liefert Erkenntnisse zu Erkrankungen sowie Wirkmechanismen bei Gesunden.



Sie sind PhD-Student im Translational Psychiatry Lab der Forschungsgruppe von Philipp Sterzer. Was ist Ihr Forschungsfokus und warum haben Sie diesen gewählt?


Ich interessiere mich schon länger dafür, wie Menschen Geisteszustände manipulieren. Mit meiner Arbeit erhoffe ich mir, die darin involvierten subjektiven und materiellen Prozesse zu charakterisieren und entsprechend unseres Gruppennamens zu übersetzen.


Mein PhD-Projekt ist eine klinische Studie, in der wir gesunde Proband*innen unter LSD-Einfluss in verschiedenen Experimenten visuelle Reize subjektiv beurteilen lassen und währenddessen Hirnströme mit EEG aufzeichnen. Das erlaubt uns, grundlegende Prozesse in der Verarbeitung der Aussenwelt besser zu verstehen.


Translational ist das in mehrere Richtungen: Wir übersetzen Grundlagenforschung aus Tiermodellen in den Menschen, wir können Erkenntnisse auf krankhaft veränderte Wahrnehmung bei Psychosen übertragen und wir können aus unseren Befunden bei Gesunden etwas zu Wirkmechanismen von Psychedelika in der Behandlung affektiver Störungen ableiten.


Felix Gerber
Lucca Jaeckel, cPhD Clinical Research, Mitglied der DKF-Forschungsgruppe Philipp Sterzer

Lucca Jaeckel, cPhD Clinical Research stammt aus Hamburg, Deutschland, und absolvierte sein Bachelor-Studium in Liberal Arts and Sciences am University College Freiburg, Deutschland, mit Auslandsaufenthalt am University College Maastricht, die Niederlande. Sein Master-Studium in Social, Cognitive, and Affective Neuroscience belegte er an der Freien Universität Berlin, Deutschland. Seit 2022 ist er Mitglied der DKF-Forschungsgruppe Philipp Sterzer im Translational Psychiatry Lab, wo er an mehreren Forschungsprojekten im Bereich der kognitiven Neurowissenschaften mitwirkt.


Als Blog-Editor für die MIND Foundation Berlin haben Sie Wissenschaftskommunikation für die breite Öffentlichkeit gemacht. Hat das Ihre Herangehensweise an die eigene Forschung beeinflusst?


Als Blog-Editor half ich Forschenden, ihre Forschung in zugängliche Sprache zu übersetzen. Genauso erfordert auch Wissenschaft interne Übersetzung: Angrenzende Felder sprechen unterschiedliche Sprachen. Sie benennen und diskutieren Phänomene unterschiedlich, weil sie an verschiedenen Ebenen ansetzen, verschiedene Annahmen haben und die Welt anders aufteilen, teils aber auch einfach, weil Jargon sich sedimentiert. Der Kontakt mit verschiedenen Feldern im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit hat mich den vielen Arten, wie Wissen geschaffen wird, und ihrer jeweiligen Semantik nähergebracht.


Dadurch hat diese Arbeit meinen Sinn für epistemische Demut gestärkt: In meiner eigenen Forschung, zwischen klinischer Forschung, Psychologie und Neurowissenschaft, frage ich dadurch vielleicht kritischer, was Begriffe bezeichnen, wie sie genutzt werden und wie Wortwahl die Interpretation von Befunden beeinflusst.


Was möchten Sie gerne in Zukunft mit oder durch Forschung erreichen – persönlich und gesellschaftlich?


Die Ergebnisse unserer Forschung liegen ausserhalb unseres Einflusses. Durch die Wahl des Forschungsinhalts tragen wir als Forschende jedoch eine bestimmte Perspektive zur materiellen und diskursiven Weltbildung bei. Generell möchte ich mit meiner Arbeit gerne dazu beitragen, dass kontextuelle und subjektive Perspektiven in der Psychopharmakologie eine grössere Rolle spielen.


Die Philosophin Sanneke de Haan hat einmal argumentiert, dass die Wirkung psychiatrischer Medikation nie rein pharmakologisch zu verstehen ist, sondern immer auch durch den Akt des Einnehmens, also die Beweggründe dafür und den restlichen Kontext, mitbestimmt wird.


Ich hoffe, dass meine Dissertation dazu einen ersten Beitrag leistet. Psychedelika sind besonders für ihre Kontextabhängigkeit bekannt. Daher erforschen wir, wie sich LSD auf die Verarbeitung von Kontext in visuellen Wahrnehmungsentscheidungen auswirkt.



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