Vom Wissensdurst getrieben
- Barbara Peters
- vor 21 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Seine Zeit als PhD-Student war intensiv, sagt Sven Lustenberger. Der Druck über Ideen, Daten und offene Fragen zu Forschungsprojekten nachzudenken, sei allgegenwärtig gewesen. Dennoch wird Forschung seinen weiteren beruflichen Weg begleiten.
Herzliche Gratulation zu Ihrem kürzlich erworbenen Titel «PhD Clinical Research»! Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf die Zeit als klinischer Forscher zurück?
Vielen Dank! Meine Gefühle bezüglich meiner PhD-Zeit sind durchaus vielschichtig. Einerseits empfinde ich grosse Freude und auch Stolz darüber, dass ich meinen PhD und alle damit verbundenen Projekte planmässig innerhalb von drei Jahren abschliessen konnte. Dafür bin ich sehr dankbar, denn vieles hängt in der Forschung von Faktoren ab, die man nicht vollständig selbst beeinflussen kann – und ich hatte sicherlich auch das nötige Quäntchen Glück.
Andererseits ist ein PhD oft auch mit Frustration verbunden. Man investiert enorm viel Zeit, Energie und Leidenschaft, während Anerkennung spärlich und oft erst spät kommt. In dieser Zeit hatte ich deshalb auch immer wieder mit Selbstzweifeln zu kämpfen. Was mir geholfen hat, war die Rückbesinnung auf meine eigentliche Motivation: die Neugier und das Streben nach Erkenntnisgewinn.

Dr. med. Sven Lustenberger, PhD stammt aus Willisau (Luzern) und studierte Humanmedizin an der Universität Basel. Sein PhD-Studium im Promotionsfach «Clinical Research» absolvierte er ebenfalls an der Universität Basel und zwar als Mitglied der DKF-Forschungsgruppe von Mirjam Christ-Crain in den Jahren 2023 bis 2026. In dieser Zeit galt sein Forschungsinteresse der Endokrinologie, insbesondere der Wasserregulation des menschlichen Körpers. Für seine Forschungsarbeit wurde er 2025 mit dem Preis für die beste Präsentation am Kongress der Schweizerischen Gesellschaft für Endokrinologie und Diabetologie (SGED) und zweimal am Clinical Research Day des Departements Klinische Forschung (1. Preis in der Kategorie "Beste Posterpräsentation" 2025 und 3. Preis in der Kategorie "Beste Vorträge" 2026) ausgezeichnet. Seit April 2026 arbeitet Sven als Assistenzarzt auf der Inneren Medizin in Biel.
Wie wichtig ist ein gutes Mentoring in dieser Zeit?
Das Mentoring ist natürlich absolut entscheidend für das Gelingen eines PhDs. Als PhD-Student:in ist man in einem extremen Abhängigkeitsverhältnis; wenn man sich nicht gut versteht mit seinem Supervisor kann das sehr mühsam werden. Mit Mirjam Christ-Crain hatte ich eine sehr erfahrene und gut strukturierte Mentorin. Besonders geschätzt habe ich ausserdem ihre Erreichbarkeit: sie hat die schnellste Reaktionszeit auf Emails, die ich je gesehen habe.
Leider weiss ich auch von Fällen, ich welchen das Mentoring komplett dysfunktional war, und wo Leute in massive Drucksituationen geraten sind. Über diese Schattenseiten der akademischen Arbeitsumgebung spricht niemand gerne. Allerdings denke ich, dass hier Handlungsbedarf von Seiten der Universität besteht, um die Studierenden besser abzusichern.
Sie haben kürzlich Ihre neue Stelle am Spitalzentrum Biel begonnen. Wird die Forschung Sie weiterhin begleiten?
Genau, seit April arbeite ich klinisch als Assistenzarzt auf der Inneren Medizin in Biel. Das bedeutete eine riesige Umstellung für mich, da der klinische Alltag ganz andere Fähigkeiten und Prioritäten erfordert als die Forschung. Entsprechend bleibt neben der klinischen Tätigkeit aktuell wenig Raum für eigene Forschungsprojekte.
Wer forscht, ist gedanklich oft auch ausserhalb der eigentlichen Arbeitszeit mit seinen Projekten beschäftigt: man denkt über Ideen, Daten oder offene Fragen nach, und es gibt immer noch etwas zu tun. Nach drei intensiven Jahren bin ich deshalb aktuell auch froh, diesen gedanklichen Druck etwas loszulassen und meine Freizeit wieder mehr als solche geniessen zu können.
Mittelfristig weiss ich aber, dass mein Wissensdurst mich wieder in die Forschung treiben wird - auch wenn ich momentan noch nicht genau weiss, in welchem Themengebiet und in welchem Ausmass.




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