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Abstossung von Nierentransplantaten vermeiden

  • Marilena Mattarelli
  • vor 14 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Die Transcend-Studie: Felzartamab als neue Behandlungsoption für Nierentransplantatempfänger bei antikörpervermittelter Abstossung


Ein Mitarbeiter der Transplantationsimmunologie & Nephrologie zieht eine Organtransportbox in den OP Ost des Universitätsspitals Basel. Foto: Patrick Stamm, Universitätsspital Basel
Ein Mitarbeiter der Transplantationsimmunologie & Nephrologie zieht eine Organtransportbox in den OP Ost des Universitätsspitals Basel. Foto: Patrick Stamm, Universitätsspital Basel

Hintergrund


Antikörpervermittelte Abstossung (AMR) ist eine der zentralen Ursachen für das Versagen von Nierentransplantaten. Ausgelöst wird sie meist durch spenderspezifische Antikörper, die das Transplantat schädigen. Während die aktive antikörpervermittelte Abstossung eine laufende Immunreaktion gegen die transplantierte Niere widerspiegelt, ist die chronisch aktive Form zusätzlich durch Zeichen einer anhaltenden strukturellen Schädigung gekennzeichnet, die aus einer langdauernden immunvermittelten Gewebeschädigung resultieren. Bis heute steht keine etablierte Standardbehandlung für solche späten Abstossungsprozesse zur Verfügung.


Felzartamab, ein experimenteller monoklonaler CD38 Antikörper, könnte einen gezielten therapeutischen Ansatz bieten. Der Wirkstoff richtet sich gegen Zellpopulationen, die eine zentrale Rolle bei der antikörpervermittelten Abstossung spielen, dazu gehören insbesondere natürliche Killerzellen (NK-Zellen) und möglicherweise auch antikörperproduzierende Plasmazellen. Durch die gezielte Bekämpfung dieser Zellen könnte Felzartamab sowohl die Bildung pathogener Antikörper als auch die entzündlichen Prozesse im Nierentransplantat reduzieren. Felzartamab wird derzeit bei verschiedenen immunvermittelten Erkrankungen untersucht. Zusätzliche Hinweise auf sein therapeutisches Potenzial bei der antikörpervermittelten Abstossung nach Nierentransplantation lieferte eine doppelblinde Phase-II-Studie, deren Ergebnisse im Juli 2024 veröffentlicht wurden [1].



Forschungsfrage


Ziel der TRANSCEND-Studie ist es, die Wirksamkeit und Sicherheit von Felzartamab im Vergleich zu Placebo bei nierentransplantierten Patientinnen und Patienten mit aktiver oder chronisch aktiver antikörpervermittelter Abstossung zu evaluieren. Als primärer Endpunkt erfasst die Studie den Anteil der Teilnehmenden, die nach 24 Wochen Behandlung in der Transplantatbiopsie normale oder nahezu normale histologische Befunde aufweisen.



Studienmethodik


Die TRANSCEND-Studie ist eine doppel-blinde, placebokontrollierte, randomisierte Phase-III-Studie. Eingeschlossen werden Empfängerinnen und Empfänger eines Nierentransplantats mit aktiver oder chronisch aktiver antikörpervermittelter Abstossung, sofern die Transplantation mindestens sechs Monate vor Studieneintritt zurückliegt.

 

Die Studie besteht aus zwei aufeinanderfolgenden Teilen. Teil A ist eine randomisierte plaebokontrollierte Behandlungsphase, gefolgt von Teil B einer offenen Behandlungsphase. In Teil A werden die Teilnehmenden randomisiert einer Behandlung mit Felzartamab oder Placebo zugeteilt und über einen Zeitraum von sechs Monaten behandelt. In Teil B erhalten alle Teilnehmenden die aktive Studienbehandlung. Patientinnen und Patienten, die bereits in Teil A Felzartamab erhalten haben, setzen die Behandlung fort, während diejenigen aus der Placebogruppe auf Felzartamab umgestellt werden.

 

Nach Abschluss der Studie wird den Patientinnen und Patienten beider Studienarme die Teilnahme an einer separaten offenen Verlängerungsstudie angeboten, in welcher die Felzartamab-Behandlung fortgesetzt wird.

 


Bedeutung der Studie


Die TRANSCEND-Studie soll einen hohen ungedeckten medizinischen Bedarf adressieren, da für die antikörpervermittelte Abstossung nach Nierentransplantation bislang keine gezielten zugelassenen Therapien zur Verfügung stehen. Darüber hinaus wurde das Studiendesign einschliesslich der gewählten Endpunkte von einem Patient Advisory Board unterstützt, bestehend aus Nierentransplantationsempfängerinnen und -empfängern sowie Angehörigen und Betreuungspersonen. Dies unterstreicht die klinische Relevanz der Fragestellung aus Patientensicht.


 [1] Mayer KA, Schrezenmeier E, Diebold M, et al. A Randomized Phase 2 Trial of Felzartamab in Antibody-Mediated Rejection. N Engl J Med. 2024;391(2):122-32.



Mitwirkende


Silke Scarascia, DKF

Prof. Stefan Schaub, Universitätsspital Basel


DKF-Services


On-Site Management

Studientitel




Über den Principal Investigator der Transcend-Studie am Universitätsspital Basel


PD Dr. med. Matthias Hannes Diebold

Matthias Diebold, PI der Transcend-Studie am Universitätsspital Basel
Foto: USB Foto & Printcenter, Universitätsspital Basel

Oberarzt, Transplantations-immunologie & Nephrologie Universitätsspital Basel

DKF-Forschungsgruppe Pietro Cippà & Stefan Schaub


Spezialisierung

Transplantationsnephrologie


Forschungsgebiet

Antikörpervermittelte Abstossung Epidemiologie Nierentransplantation






Klinische Tätigkeit

Seit 08.2024: Oberarzt, Klinik für Nephrologie und Transplantationsimmunologie, Universitätsspital Basel

2020-2024: Assistenzarzt Nephrologie und Transplantationsimmunologie, Universitätsspital Basel

2016-2020: Assistenzarzt Innere Medizin, Universitätsspital Basel und Kantonsspital Frauenfeld


Wissenschaftliche Tätigkeit

2023-2024: Research Fellow, Klinische Abteilung für Nephrologie und Dialyse, Medizinische Universität Wien

2019-2020: Fellow am Cardiovascular Research Institute Basel mit Forschungsschwerpunkt kardiorenale Medizin, Universitätsspital Basel




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