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Erleben, wie Forschung direkt bei den Patientinnen ankommt

  • Barbara Peters
  • 1. Jan. 2022
  • 3 Min. Lesezeit

Yvonne Haas, Assistenzärztin und PhD-Studentin Clinical Research, gefällt an der klinischen Forschung besonders die Nähe zu den Patientinnen und Patienten.



Frau Haas, Sie befinden sich in der Facharztausbildung für Plastische und rekonstruktive Chirurgie am Universitätsspital Basel. Wie kam es zur Wahl dieses Fachgebiets?


Mich hat an der plastischen und rekonstruktiven Chirurgie von Anfang an die feine und präzise Arbeitsweise fasziniert. Gleichzeitig hat das Fach einen sehr kreativen Aspekt, da man für jede Situation eine individuelle Lösung finden muss – mit dem Ziel, nicht nur funktionell, sondern auch ästhetisch ein gutes Ergebnis zu erreichen. Besonders spannend finde ich die Vielseitigkeit des Fachs, da man häufig gemeinsam mit verschiedenen Disziplinen an Fragestellungen arbeitet, die den ganzen Körper betreffen.


Felix Gerber
Dr. med. Yvonne Haas, PhD Clinical Research, Mitglied der DKF-Forschungsgruppe Elisabeth Kappos

Dr. med. Yvonne Haas, PhD Clinical Research stammt aus Karlsruhe, Deutschland, und schloss ein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule St. Gallen mit Auslandssemester an der Aalto University, Finnland, ab, bevor sie an der Goethe Universität in Frankfurt am Main, Deutschland, ihr Studium der Humanmedizin absolvierte. Sie ist seit 2021 als Assistenzärztin am Universitätsspital Basel tätig von 2021 bis 2023 in Allgemeinchirurgie, seit 2023 in der Abteilung Plastische, Rekonstruktive, Ästhetische und Handchirurgie. 2023 startete sie ausserdem ihr PhD-Studium Clinical Research an der Universität Basel. Als Mitglied der DKF-Forschungsgruppe von Prof. Elisabeth Kappos ist sie hauptverantwortlich für den LYMPH-Trial, eine grosse, vom Schweizerischen Nationalfonds SNF finanzierte, akademische klinische Studie zur Behandlung von Lymphödemen nach Brustkrebstherapie. Für ihre akademischen Leistungen wurde sie vom Departement Chirurgie des Universitätsspitals Basel und von der Stiftung zur Förderung der gastroenterologischen und

allgemeinen klinischen Forschung sowie der medizinischen Bildauswertung ausgezeichnet.


Mit Ihrem PhD-Studium Clinical Research an der Universität Basel zeigen Sie, dass Sie grosses Interesse an Forschung haben – was liegt Ihnen daran? Was möchten Sie erreichen?


Mir ist es wichtig, nicht nur bestehende Abläufe zu übernehmen, sondern mich aktiv einzubringen, um die Situation für Patientinnen und Patienten zu verbessern. Forschung ist für mich ein Weg, gemeinsam mit einem Research-Team Fragestellungen kritisch zu hinterfragen und neue Ansätze zu entwickeln.


An der klinischen Forschung gefällt mir besonders die Nähe zu den Patientinnen und Patienten. Man sieht direkt, welchen Effekt die eigene Arbeit haben kann. Für mich gehört es auch zur ärztlichen Tätigkeit dazu, im eigenen Fachgebiet kontinuierlich nach evidenzbasierten Verbesserungen zu suchen. Am Beispiel des LYMPH-Trials erlebe ich unmittelbar, wie klinische Forschung direkt bei den Patientinnen und Patienten ankommt. Auch im zertifizierten Lymphödemzentrum Basel, in dem ich mitarbeiten darf, sind Klinik und Forschung eng miteinander verknüpft.


Am PhD schätze ich neben den sehr lehrreichen Kursen besonders das Umfeld: Man trifft auf Menschen aus unterschiedlichen beruflichen und kulturellen Hintergründen. Dieser Austausch erweitert den eigenen Horizont sehr – etwas, das ich bereits in meinem Studium der Betriebswirtschaftslehre sehr geschätzt habe.


Wie erleben Sie die Arbeit mit Studienteilnehmenden, zum Beispiel mit den Patientinnen im LYMPH-Trial? Entwickelt man im Rahmen einer Studie andere Beziehungen als die reguläre Beziehung zwischen behandelnder Ärztin und Patientin?


Ich erlebe das als sehr bereichernd. Durch die regelmässigen Kontakte sieht man die Patientinnen und Patienten häufiger als im normalen klinischen Alltag, wodurch oft eine engere Beziehung entsteht. In gewisser Weise wird man auch zu einer Bezugsperson – was zwar mit einem gewissen Mehraufwand verbunden ist, aber gleichzeitig auch sehr schön ist.


Dieses Video zeigt u.a. Yvonne Haas bei der Betreuung von Studienteilnehmerinnen des LYMPH-Trials.

Man lernt die PatientInnen und Patienten besser kennen, und umgekehrt lernen sie auch einen selbst besser kennen. Dadurch entsteht Vertrauen, was die Zusammenarbeit intensiviert. Gleichzeitig erhält man tiefere Einblicke in den Alltag mit der Erkrankung und in die Lebensqualität der Betroffenen. Es entstehen Gespräche über praktische Aspekte, Tipps und Erfahrungen, die in einer normalen Sprechstunde oft nicht in dieser Tiefe möglich sind – und die man wiederum an andere Patientinnen und Patienten weitergeben kann.


Dabei ergeben sich häufig auch neue Ideen für Forschungsprojekte oder weitere Initiativen. Das zeigt sich für mich beispielsweise bei Formaten wie einem Lymphödem-Tag, den ich letztes Jahr erstmals organisieren durfte und an dem viele Studienteilnehmende des LYMPH-Trials teilgenommen haben. Dort entsteht ein Austausch ausserhalb des klassischen klinischen Settings, der es ermöglicht, Patientinnen und Patienten zu unterstützen und gleichzeitig wertvolle Erkenntnisse zu gewinnen, die wiederum in zukünftige Projekte einfliessen.



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