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Abstossung von Nierentransplantaten vermeiden

  • Marilena Mattarelli
  • 1. Sept. 2019
  • 3 Min. Lesezeit

Die Transcend-Studie: Felzartamab als neue Behandlungsoption für Nierentransplantatempfänger bei antikörpervermittelter Abstossung


Ein Mitarbeiter der Transplantationsimmunologie & Nephrologie zieht eine Organtransportbox in den OP Ost des Universitätsspitals Basel. Foto: Patrick Stamm, Universitätsspital Basel
Ein Mitarbeiter der Transplantationsimmunologie & Nephrologie zieht eine Organtransportbox in den OP Ost des Universitätsspitals Basel. Foto: Patrick Stamm, Universitätsspital Basel

Hintergrund


Die antikörpervermittelte Abstossung (AMR) ist eine der zentralen Ursachen für das Versagen von Nierentransplantaten. Ausgelöst wird sie meist durch spenderspezifische Antikörper, die das Transplantat schädigen. Während die aktive antikörpervermittelte Abstossung eine aktuell ablaufende Immunreaktion gegen die transplantierte Niere bezeichnet, sind bei der chronisch aktiven Form zusätzlich bereits Zeichen eines länger andauernden strukturellen Schadens nachweisbar. Bis heute fehlt eine etablierte Standardbehandlung, mit der sich eine solche späten Abstossungen verhindern liessen.


Felzartamab, ein CD38 Antikörper, könnte hier gezielt eingreifen. Der monoklonale Antikörper richtet sich gegen Zelltypen, die bei der antikörpervermittelten Abstossung von Nierentransplantaten eine zentrale Rolle spielen, insbesondere NK-Zellen und möglicherweise auch antikörperproduzierende Plasmazellen. Auf diese Weise könnte der Wirkstoff sowohl die schädliche Antikörperbildung als auch entzündliche Prozesse im Transplantat reduzieren. Felzartamab wurde bereits bei mehr als 500 Personen eingesetzt und wird derzeit in verschiedenen immunvermittelten Erkrankungen untersucht. Weitere Hinweise auf sein therapeutisches Potenzial bei antikörpervermittelter Abstossung nach Nierentransplantation lieferte eine doppelblinde Phase-2-Studie, deren Ergebnisse im Juli 2024 publiziert wurden[1].



Forschungsfrage


Ziel der Transcend-Studie ist es, die Wirksamkeit und Sicherheit von Felzartamab im Vergleich zu Placebo bei nierentransplantierten Patientinnen und Patienten mit aktiver oder chronisch aktiver antikörpervermittelter Abstossung zu evaluieren. Als primärer Endpunkt erfasst die Studie, bei wie vielen Teilnehmenden sich nach 24 Wochen ein normales oder annähernd normales Gewebebild in der Transplantatbiopsie nachweisen lässt.



Studienmethodik


Die Transcend-Studie ist eine doppel-blinde, placebokontrollierte, randomisierte Phase-3-Studie. In den weltweit 59 Studienzentren werden Patientinnen und Patienten mit aktiver oder chronisch aktiver antikörpervermittelter Abstossung eingeschlossen, bei welchen die Nierentransplantation mindestens sechs Monate zurückliegt.

 

Das Studiendesign ist zweiteilig aufgebaut: Auf einen randomisierten, placebokontrollierten Teil A folgt eine offene Behandlungsphase, Teil B. So werden in Teil A die Teilnehmenden über sechs Monate im Verhältnis 2:1 einer Behandlung mit Felzartamab oder Placebo zugeteilt, wobei neun intravenöse Dosen verabreicht werden. In Teil B erhalten schliesslich alle Teilnehmenden den Wirkstoff. Dabei werden Personen aus dem initialen Verum-Arm mit drei weitere intravenöse Dosen weiterbehandelt, während Teilnehmende aus dem Placebo-Arm auf neun intravenöse Dosen Felzartamab umgestellt werden.

 

Nach Abschluss der Studie wird den Patientinnen und Patienten beider Studienarme die Teilnahme an einer separaten offenen Verlängerungsstudie angeboten, in welcher die Felzartamab-Behandlung fortgesetzt wird.

 


Bedeutung der Studie


Die Transcend-Studie adressiert einen hohen ungedeckten medizinischen Bedarf, da für die antikörpervermittelte Abstossung nach Nierentransplantation bislang gezielte zugelassene Therapien fehlen. Dass ein Patient Advisory Board mit nierentransplantierten Personen und Betreuungspersonen sowohl Studiendesign als auch Endpunkte ausdrücklich unterstützte, unterstreicht zudem, wie relevant die Fragestellung aus Sicht der Betroffenen ist.


 [1] Mayer KA, Schrezenmeier E, Diebold M, et al. A Randomized Phase 2 Trial of Felzartamab in Antibody-Mediated Rejection. N Engl J Med. 2024;391(2):122-32.



Mitwirkende


Silke Scarascia, DKF

Prof. Stefan Schaub, Universitätsspital Basel


DKF-Services


On-Site Management

Studientitel




Über den Principal Investigator der Transcend-Studie am Universitätsspital Basel


PD Dr. med. Matthias Hannes Diebold

Foto: USB Foto & Printcenter, Universitätsspital Basel
Foto: USB Foto & Printcenter, Universitätsspital Basel

Oberarzt, Transplantations-immunologie & Nephrologie Universitätsspital Basel, DKF-Forschungsgruppenleiter


Spezialisierung

Transplantationsnephrologie


Forschungsgebiet

Antikörpervermittelte Abstossung Epidemiologie Nierentransplantation







Klinische Tätigkeit

Seit 08.2024: Oberarzt, Klinik für Nephrologie und Transplantationsimmunologie, Universitätsspital Basel

2020-2024: Assistenzarzt Nephrologie und Transplantationsimmunologie, Universitätsspital Basel

20216-2020: Assistenzarzt Innere Medizin, Universitätsspital Basel und Kantonsspital Frauenfeld


Wissenschaftliche Tätigkeit

2023-2024: Research Fellow, Klinische Abteilung für Nephrologie und Dialyse, Medizinische Universität Wien

2019-2020: Fellow am Cardiovascular Research Institute Basel mit Forschungsschwerpunkt kardiorenale Medizin, Universitätsspital Basel




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