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Identifikation potenziell kritischer Medikationssituationen

  • Daniel Hammes
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit

DrugAlert ist eine innovative Software, die elektronisch verfügbare Patientendaten systematisch in Echtzeit screent und mögliche Risikokonstellationen im Medikationsprozess frühzeitig erkennt. Dies kann insbesondere im komplexen und teilweise hektischen klinischen Alltag einen wichtigen Beitrag zur Patientensicherheit leisten.


Das DrugAlert-Projektteam (Foto: Niklas Bienbeck, DKF)


Regelbasierte Analyse


DrugAlert greift auf das Klinikinformationssystem zu und durchsucht anhand vordefinierter Regeln beispielsweise Medikationsdaten oder Laborwerte nach Konstellationen, die auf potenziell risikoreiche Behandlungen oder kritische klinische Situationen hinweisen können.


Die identifizierten Fälle werden autorisierten Nutzerinnen und Nutzern über eine geschützte Benutzeroberfläche angezeigt. Diese nehmen dann eine klinische Beurteilung durch Abgleich mit der elektronischen Krankengeschichte vor. Dieser Schritt ist zentral, da die von DrugAlert angezeigten Hinweise immer im individuellen klinischen Kontext bewertet werden müssen. Alle therapeutischen Entscheidungen liegen somit stets bei den behandelnden Fachpersonen.

 

Entwicklung und Datengrundlage


DrugAlert wurde von einem multidisziplinären Projektteam des Universitätsspitals (USB) und der Universität Basel entwickelt und basiert auf dem zunehmenden Bedarf, potenziell relevante, aber im klinischen Alltag schwer erkennbare Medikationsrisiken systematisch und in real-time zu identifizieren. Ausgangspunkt waren Erfahrungen aus der klinischen Praxis sowie Erkenntnisse aus der Forschung zu sogenannten Clinical Decision Support Systems (CDSS), die Ärztinnen, Ärzte und andere Gesundheitsfachpersonen bei der Entscheidungsfindung unterstützen.


Ein zentrales Element in der Entwicklung bildete die Auswertung bestehender wissenschaftlicher Literatur zu vergleichbaren Systemen. Dabei wurden mehrere Studien analysiert, die zeigen, dass regelbasierte elektronische Systeme in der Lage sind, potenziell schwerwiegende unerwünschte Arzneimittelereignisse bzw. Risikokonstellationen für solche Ereignisse zu erkennen und klinisch relevante Interventionen auszulösen.  DrugAlert wurde im klinischen Alltag des Universitätsspitals Basel aufgebaut und getestet.


Zur Bewertung der Leistungsfähigkeit und klinischen Bedeutung des Systems wurde insbesondere untersucht, wie häufig durch DrugAlert generierte Hinweise tatsächlich zu einer Anpassung der Therapie führen. Analysen aus dem klinischen Einsatz zeigen, dass rund drei Viertel der von den klinischen Pharmazeutinnen und Pharmazeuten der Spitalapotheke als relevant eingestuften Hinweise von den behandelnden Fachpersonen auch tatsächlich übernommen wurden.


Diese Kombination aus wissenschaftlicher Evidenz, systematischer Literaturauswertung und realen Anwendungsdaten bildete die Grundlage für die Validierung von DrugAlert als klinisches Unterstützungssystem.


 

Andrea Studer, Projektkoordination, Klinische Pharmazeutin, Spital-Pharmazie, USB. (Foto: zur Verfügung gestellt)
Andrea Studer, Projektkoordination, Klinische Pharmazeutin, Spital-Pharmazie, USB. (Foto: zur Verfügung gestellt)
«Mit DrugAlert können wir bei ALLEN Patientinnen und Patienten systematisch nach potenziell kritischen medizinischen sowie medikamentenassoziierten Zuständen screenen und frühzeitig gezielte Interventionen einleiten.»







Einsatz in der klinischen Praxis


Im regulatorischen Kontext wurde DrugAlert als Medizinprodukt-Software klassifiziert, da es Informationen bereitstellt, die als Grundlage für klinische Entscheidungen dienen. Es handelt sich um ein sogenanntes «Software as Medical Device», qualifziert für den «in-house Use», was bedeutet, dass die Medizinprodukte-Software in Zusammenarbeit mit dem Departement Klinische Forschung qualifiziert und von Swissmedic für die interne Verwendung am USB registriert wurde.

 

Fazit


Mit DrugAlert steht am Universitätsspital Basel ein leistungsfähiges Instrument zur Verfügung, das auf strukturierte Weise auf potenziell kritische Medikations- und Behandlungssituationen aufmerksam macht. Durch die intelligente Nutzung vorhandener Daten können Risiken früher erkannt und gezielt überprüft werden.

Die Kombination aus automatisierter Analyse und klinischer Expertise ermöglicht eine effiziente und zugleich verantwortungsvolle Nutzung digitaler Unterstützungssysteme. So trägt DrugAlert dazu bei, die Patientensicherheit im klinischen Alltag nachhaltig zu stärken.



Shan Yang, PhD
Prof. Dr. Christoph R. Meier, Klinische Pharmazie und Epidemiologie, Universität Basel, Chefapotheker Spital-Pharmazie, USB. (Foto: zur Verfügung gestellt)
«Der bisherige Ansatz, elektronische Patientendaten retrospektiv auszuwerten und allfällige Probleme im Medikationsprozess im Nachhinein zu erkennen, genügt nicht. Es ist essenziell, dass ein Tool zur Verfügung steht, welches Risikokonstellationen in Echtzeit erkennt und damit hilft, arzneimittelbezogene Probleme tatsächlich zu verhindern.»


DrugAlert-Projektteam

Projektkoordination & Medical Device Verantwortliche bei Swissmedic

Andrea Studer, Klinische Pharmazeutin, Spital-Pharmazie, USB

 

Klinischer Experte

Prof. Dr. Christoph R. Meier, Klinische Pharmazie und Epidemiologie, Universität Basel, Chefapotheker Spital-Pharmazie, USB

 

Software-Entwicklung

Victor Parmar, Software-Entwickler, Bereich Digitalisierung & ICT, USB

Ismael Embaby, Software-Entwickler, Bereich Digitalisierung & ICT, USB

 

Qualitätsmanagement und technische Dokumentation

Dr. Christine Otieno, Leiterin Quality Affairs, Departement Klinische Forschung (DKF), Universität Basel c/o USB

 

Regulatorik

Roland John, Projektmanager, Bereich Digitalisierung & ICT, USB


Integration in klinische Routine

Victor Parmar, Software-Entwickler, Bereich Digitalisierung & ICT, USB

 

Unabhängige Gutachterin und Subject Matter Expert

Delia Halbeisen, Leiterin Klinische Pharmazie, Spital-Pharmazie, USB

 

Externer Beobachter für klinische Evaluation

Dr. Georg Lambert, Clinical Evaluation, Effectum Medical AG




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