Kampf gegen Staphylokokken-Infektionen
- Daniel Hammes
- 1. Mai 2015
- 3 Min. Lesezeit
LIPS‑Studie: Kombinationstherapie mit Linezolid

Hintergrund
Staphylococcus aureus ist ein weit verbreitetes Bakterium: Rund ein Drittel der Weltbevölkerung trägt es auf der Haut oder den Schleimhäuten, meist ohne krank zu werden. Gelingt es dem Erreger jedoch, in den Blutkreislauf einzudringen, kann dies zu schweren und potenziell lebensbedrohlichen Infektionen führen. Staphylococcus‑aureus‑Bakteriämien zählen weltweit zu den häufigsten Ursachen infektionsbedingter Todesfälle. In der Schweiz sind jährlich etwa 2000 Menschen betroffen, rund 500 versterben an den Folgen. Auch bei Überlebenden sind langfristige gesundheitliche Einschränkungen häufig.
Ein wesentlicher Faktor für den schweren Verlauf dieser Infektionen ist die Expression sogenannter Virulenzfaktoren durch S. aureus. Diese vom Bakterium produzierten Proteine unterstützen seine Ausbreitung im Körper, erleichtern die Umgehung der Immunabwehr und schädigen das Wirtsgewebe. Pathomechanistische Analysen von infiziertem Patientengewebe legen nahe, dass Antibiotika, welche die Expression dieser Virulenzfaktoren hemmen, den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen können.
Die LIPS‑Studie geht der Frage nach, ob ein gezielter Zusatz zur Standardtherapie das Behandlungsergebnis verbessern kann.
Forschungsfrage
Die LIPS‑Studie untersucht, ob eine zusätzliche Gabe von Linezolid, einem Antibiotikum aus der Gruppe der Oxazolidinone, ergänzend zur Standardtherapie das Gesamtergebnis der Behandlung von Staphylococcus-aureus-Bakteriämien verbessert.
Studienmethodik
Die LIPS‑Studie ist als pragmatische, prospektive, multizentrische, 1:1‑randomisierte, placebo‑kontrollierte und verblindete klinische Studie konzipiert. Alle Studienteilnehmenden erhalten eine leitliniengerechte Standardtherapie; zusätzlich werden sie zufällig entweder der Linezolid‑ oder der Placebo‑Gruppe zugeteilt. Durch das randomisierte und verblindete Studiendesign soll eine möglichst verlässliche Bewertung des zusätzlichen Therapieeffekts erreicht werden.
Der Behandlungserfolg wird dabei nicht anhand eines einzelnen Endpunkts beurteilt, sondern mithilfe des patientenzentrierten Bewertungskonzepts DOOR (Desirability of Outcome Ranking), das Überleben, Komplikationen und Therapiebelastung in einer Gesamtschau erfasst.
Bedeutung der Studie
Mehrere internationale Leitlinien empfehlen bei toxinvermittelten Infektionen bereits die Kombination einer Standardantibiotikatherapie mit einem Wirkstoff, der die Expression bakterieller Virulenzfaktoren hemmt. Mangels Evidenz aus randomisierten Studien hat sich dieser Ansatz bislang jedoch nicht als klinische Standardpraxis bei Staphylococcus‑aureus‑Bakteriämien etabliert.
Die LIPS‑Studie soll diese Evidenzlücke schliessen. Wenn sich zeigt, dass eine kurzfristige zusätzliche Linezolid‑Therapie das patientenrelevante Gesamtergebnis verbessert, könnte dies einen wichtigen Impuls für zukünftige Therapieempfehlungen darstellen und langfristig dazu beitragen, Sterblichkeit und Folgeschäden bei einer der gefährlichsten bakteriellen Infektionen zu reduzieren.
Mitwirkende
Sponsorenteam
Sponsor-Investigator:
PD Dr. Richard Kühl, Infektiologie, USB
Co-Principal-Investigators:
Prof. Nina Khanna
PD Dr. Benjamin Speich
Trial-Managerin:
Natalie Rose, PhD
Studienärztinnen:
Dr. Michaela Schumacher
Dr. Nadine Bernasconi
Lokale Prüfärztinnen und -ärzte der teilnehmenden Zentren
Claraspital Basel: Dr. Elisabeth Wehrle
Kantonsspital Aarau: Dr. Anna Conen
Hôpitaux universitaires de Genève: Prof. Stephan Harbarth
Hôpital du Jura: Dr. Michèle Birrer
Centre hospitalier universitaire vaudois: PD Dr. Papadimitriou Olivgeris Matthaios
Ospedale Regionale di Lugano: PD Dr. Marco Bongiovanni
HOCH Health Ostschweiz, Kantonsspital St. Gallen: Prof. Dr. Werner Albrich
Kantonsspital Winterthur: PD Dr. Urs Karrer
Universitätsspital Zürich: Prof. Barbara Hasse
Stadtspital Zürich: Dr. Adrian Schibli
DKF-Services
Data Management, Data Analysis/Statistik, Projektmanagement, Regulatorik
Über den Studienverantwortlichen
PD Dr. Richard Kühl

Leitender Arzt, Klinik für Infektiologie und Spitalhygiene, USB
Spezialisierung
Allgemeine Innere Medizin
Forschungsgebiet
Infektionskrankheiten
Klinische Tätigkeit
Seit 2025: Leitender Arzt, Klinik für Infektiologie und Spitalhygiene, USB 2022–2025: Kaderarzt, Zentrum für muskuloskelettale Infektionen, USB
2020–2022: Oberarzt, Klinik für Infektiologie und Spitalhygiene, USB
2017: Oberarzt, Klinik für Infektiologie und Spitalhygiene, USB
2017: Stellvertretender Oberarzt, Klinik für Infektiologie und Spitalhygiene, USB
2016: Zusatzbezeichnung Infektiologie
2015–2017: Assistenzarzt, Klinik für Infektiologie und Spitalhygiene, USB
2014: Erlangung des Facharzttitels Allgemeine Innere Medizin
2013: Leitender Assistenzarzt, Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Universitätsspital Bern
2012: Assistenzarzt, Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Universitätsspital Bern
2009–2011: Assistenzarzt Kantonsspital Olten
Wissenschaftliche Tätigkeit
Mitglied DKF-Forschungsgruppe Prof. Nina Khanna
2020–2025: Postdoctoral Fellow im NCCR Antiresist
2022: Habilitation an der Universität Basel
2019: Postdoctoral Fellow Infektionsbiologie, DBM, USB
2018–2019: Research Fellow Hospital Clínic Barcelona, Spanien
2018: Postdoctoral Fellow Infektionsbiologie, DBM, USB
2010: Promotion zum Dr. med., Universität Basel




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